Mythen und Geschichten
 
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Katzen im alten Ägypten .

Die Katze wurde in ganz Ägypten verehrt und galt als heilig. Allerdings geschah das erst zur Spätzeit. Davor sind zwar auch Zeugnisse eines Katzenkultes zu finden, aber lange nicht so umfangreich, eher spärlich und schlicht.

Das mag auch daran gelegen haben, dass die Katze erst relativ spät in die ägyptischen Haushalte einzog und als Haustier gehalten wurde.

Vermutlich vollzog sich dieser Schritt recht fließend. Getreide war im alten Ägypten sehr kostbar. Vor allem Katzen boten einen wirksamen Schutz vor den Unmengen der Mäusen und Ratten, die sich an den Vorräten erfreuten.

So dürfte sich die Katze von sich aus dem Menschen angenähert haben. Durch ihr selbstständiges, sanftes, freundliches und nützliches Wesen war sie ein angenehmer Gast. Insofern dürfte der Sprung zum heiligen Tier nicht so groß gewesen sein, waren auch die Tempel nicht vor Mäusen sicher.

Die Katze war die verkleinerte Form des Löwen, nur dass sie sich selbst mit Futter versorgte und der Umgang mit ihr viel ungefährlicher war. Es gab Katzenpriester, die für die Bedürfnisse der Katzen sorgten. Eine Katze zu töten war ein schweres Verbrechen. Man erzählt sich sogar, dass beim Brand eines Hauses die Katze vor den eigenen Kindern gerettet wurde. Für verletzte Katzen gab es Heilungszauber. Wenn eine Katze starb, so trauerten alle Bewohner des Hauses. Die Katze war also auch im Volksglauben beliebt. Sie nahmen die Stellung eines Hausgötzen ein.

In erster Linie war die Katze das Tier der Bastet. In Bubastis war deshalb ihr Hauptkultort. Ihr Kult breitete sich über das gesamte Ägypten aus. Man fand zahlreiche mumifizierte Katzen und in Nähe ihres Hauptkultortes, sogar einen Katzenfriedhof, wo vermutlich nur Hauskatzen bestattet wurden.

Die Ausbreitung des Katzenkults wurde durch Bastet begünstigt, die eng mit löwenähnlichen Gottheiten wie Sachmet und Tefnut verbunden war. Heilige Katzen gehörten dem Sonnengott. Einige Mythen erzählen von einem Kater, der mit einem Messer, den Kopf der Apophisschlange abschnitt. Der Kater entwickelte sich zu einer Form des Sonnengottes, deshalb rief man ihn unter dem Namen: "Großer Kater" an. Die Augen des Sonnengottes bezeichnete man als weibliche Katzen. Deshalb nahmen manche Göttinnen in der Funktion des Sonnenauges, Katzengestalt an, z.B. auch Hathor und Tefnut.

Durch die Bedeutung der Katze das Sonnenauge des Re zu sein, wurde sie auch in Beziehung zum Mond gesetzt. Vielleicht lag das schlicht daran, dass die Katze gerne in Nächten jagt. Dennoch blieb sie primär immer ein Sonnentier. Das lässt sich aus ihrer Darstellung schließen. In zahlreichen Abbildungen wird sie mit einem Skarabäus dargestellt, der ein Symbol der Sonne ist. Man sieht ihn entweder auf ihrem Kopf oder Brust eingezeichnet.


Die alten Ägypter wollten im Jenseits nicht allein sein und haben deshalb auch ihre Haustiere ordentlich "eingelegt"

Aus der Zeit des alten Ägypten sind nicht nur viele menschliche Mumien erhalten, sondern auch jede Menge Tiermumien. Bislang ging man davon aus, dass diese Tiere in einer Art Schnellverfahren für die Ewigkeit konserviert worden waren. Das britische Forscherteam um Stephen Buckley und Richard Evershed von der Universität Bristol, das sich schon seit längerem mit Mumien und Einbalsamierungsverfahren beschäftigt, hat nun auch diese Tiere genauer untersucht und im aktuellen Nature seine Ergebnisse veröffentlicht.

Konservierung für die Ewigkeit

Auch die alten Ägypter glaubten an ein Jenseits. Im Gegensatz zum christlichen Glauben jedoch, wo bekanntlich der Körper verfällt und die Seele zum Himmel steigt, war für sie ein Weiterleben nach dem Tod ohne Körper nicht vorstellbar. Sie entwickelten daher Verfahren der Mumifizierung, um den Körper vor dem Zerfall zu schützen.

Aber nicht nur die Verstorbenen sollten auf diese Weise in die Ewigkeit gerettet werden, auch Tiere fanden dort ihren Platz: Archäologen haben Millionen Votivmumien von Säugetieren, Vögeln und Reptilien gefunden. Besonders beliebt war das Konservieren von Tieren während der Herrschaft von Pharao Amenophis III (1403 v. Chr. bis 1354 v. Chr.). Allein schon aufgrund der enormen Masse der gefundenen Tiermumien ging die Wissenschaft lange davon aus, dass man bei den Tieren, verglichen mit den menschlichen Toten, nicht so viel Zeit und Geld auf eine aufwändige Mumifizierung verwendet hatte. Man vermutete, dass die Tiere – bei lebendigem Leib – in raues Leinen gewickelt und/oder in Harz getaucht wurden.

Exotische Mixturen

Wie Stephen Buckley und Richard Evershed in einer früheren Untersuchung (vgl. Nature 413, 2001) herausgefunden haben, besaßen die Ägypter komplexe Mixturen, mit denen die ausgeweideten und eingewickelten Körper ihrer Verstorbenen einbalsamiert wurden. Bereits vor drei Jahren berichteten sie von den vielen verschiedenen Substanzen ( Geheimnisse aus dem Grab), die dabei verwendet wurden. Dazu gehörten unter anderem Kampheröl, Wacholderöl, Myrrhe und das Harz von Nadelbäumen. Offenbar entdeckten sie dabei auch die antibakterielle Wirkung von Bienenwachs und Baumharzen, die in den verwendeten Balsamen allmählich einen immer höheren Anteil einnahmen. Und wer bislang glaubte, die Ägypter hätten bei ihren Tieren gespart und sie in irgendeinem Harz fürs Jenseits haltbar gemacht, der irrt. Buckley und Evershed schreiben, dass eigentlich schon der Augenschein genügt, um zu erkennen, dass die angewandten Mumifizierungsverfahren ebenso vielfältig waren, wie beim Menschen.

Dass die Ägypter viel Aufhebens um die Konservierung von Tieren machten, ist an sich nicht erstaunlich. Es ist bekannt, dass sie Tieren mit viel Respekt begegneten. Einerseits hielten sie sie als Haustiere, anderseits dienten sie als Symbole für die Götter. Die Katze etwa repräsentierte Bastet, die als Göttin der Fruchtbarkeit verehrt wurde, der Falke den Gott Horus und der Ibis den Mondgott Thoth.

Bei den Tieren wurde nicht gespart

In ihrer aktuellen Analyse widmen sich Buckley und Evershed der letzten Ära, in der das Mumifizieren noch gepflegt wurde und sie nahmen Tiermumien aus dem Zeitraum von der 23. Dynastie (818 bis 715 v. Chr.) bis zur 25. Dynastie (380 bis 343 v. Chr.) unter die Lupe. Sie unterzogen Gewebeproben der Mumien von Katzen, Falken und Ibisen einer genauen chemischen Untersuchung mit verschiedenen Verfahren (Gaschromatographie, Massenspektrometrie). Dabei fanden die Forscher heraus, dass die zur Einbalsamierung verwendeten Mixturen denen für den Menschen verwendeten ziemlich genau entsprachen.

Wie bei der Untersuchung menschlicher Mumien stellte sich heraus, dass verschiedene Tier- und Pflanzenfette, als eine (kosten-)günstige Basis verwendet wurden, die dann mit teureren, exotischen Ingredienzien verfeinert wurden. Um sich an ihren Haustieren auch in der Ewigkeit erfreuen zu können, haben die alten Ägypter offensichtlich nicht geknausert


Wer eine Katze verletzte, wurde mit dem Tode bestraft. Starb eine Katze, legten die Bewohner des Hauses Trauerkleidung an und rasierten sich die Augenbrauen. Die verstorbenen Katzen wurden nach Bubastis gebracht, einbalsamiert und im Mausoleum beigesetzt. Bei archäologischen Grabungen wurden enorme Mengen von Katzenmumien entdeckt.

Lange Zeit war es in Ägypten strengstens verboten, Katzen außer Landes zu befördern. Im Ausland aber waren die Tiere sehr beliebt. Damit florierte der Katzenschmuggel, den mit Vorliebe phönizische Seefahrer betrieben. Wer es schaffte, eine Katze "Made in Egypt" zu ergattern, hatte viel Glück und ein Statussymbol als Haustier. So kam die ägyptische Falbkatze auch nach Europa. Dort gab es zwar schon die europäische Variante der Wildkatze, die sich allerdings so gut wie nicht zähmen ließ. Um die Vorräte zu schützen, wurden bis zur Ankunft der ägyptischen Falbkatze Frettchen als Mäusejäger eingesetzt.
Die Griechen waren von den Tieren ebenso angetan wie die Ägypter .

Katzen und Hexenjagt!!

Jahrhundertelang war die Katze den Europäern ein guter Freund. Dann kam die Zeit der Hexenverfolgungen in der frühen Neuzeit. Sündenböcke und Teufelssymbole wurden gesucht - und die Wahl fiel unter anderem auf die Katze. Für die wurde es ab jetzt sehr ungemütlich. Als Verbündete der angeblichen Hexen und Hilfsgeist der Teufel wurden Katzen verfolgt, gequält und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Man glaubte, dass der Hausgeist einer Hexe mit Vorliebe im Leib einer Katze "wohne" - diese schlüpfe dann in die Ställe, um das Vieh zu verderben.

Warum es ausgerechnet die Katze so hart getroffen hat, kann man nur vermuten. Vielleicht, weil die christlichen Patriarchen die seit Urzeiten bestehende innige Beziehung zwischen Frauen und Katzen fürchteten. Oder weil die Katze nach den überlieferten Mythologien der Ägypter, Griechen und Römer in engem Kontakt mit dem Mond und der Unterwelt stand.Im 18. Jahrhundert war es schließlich überstanden! Die Hexen- und damit auch die Katzenverfolgungen wurden eingestellt. Das Misstrauen blieb aber noch lange bestehen, einige Vorurteile waren einfach nicht auszurotten. So hat sich bis heute der Aberglaube gehalten, dass eine schwarze Katze Unglück bringt, wenn sie von der falschen Seite die Straße überquert. Aber nach und nach siegte die Einsicht, dass die Katze dem Menschen doch von großem Nutzen sein kann - sie wurde wieder als Mäusejägerin sehr geschätzt. Und man sah auch ein, dass weniger Ratten und Mäuse mehr Hygiene bedeuteten.

Heutzutage genießt die Katze glücklicherweise wieder uneingeschränkte Sympathie. Die mystische Seite ist ihr jedoch niemals richtig abhanden gekommen. Bis heute sind ihr eigenständiges Wesen und ihre geheimnisvolle Aura manchen Menschen immer noch suspekt. Von Vielen wird die Katze aber gerade deswegen verehrt und geliebt.
(Bericht von S.Decker)



Auch ein recht interessantes Buch zu diesem Thema ist :  "Die Katze, das rätselhafte Wesen" von Gisela Bulla 


Die älteste ägyptische Katze war die Ginsterkatze oder Genette (Genetta genette) aus der Familie der Schleichkatzen, die in Afrika, Südasien, Spanien, Südfrankreich und auf Madagaskar zu Hause ist. Sie gehört nicht zu den echten Katzen, wie unsere Wild- und Hauskatzen oder die afrikanische (nubische) Falbkatze, Löwen und Tiger. Die Ginsterkatze ist klein und zierlich. Sie hat einen hübschen fuchsähnlichen Kopf, einen buschigen geringelten Schwanz und graues Fell mit schwarzen und rötlichen Tupfen. Dieses charakteristische Fellmuster ist auf frühen ägyptischen Fresken deutlich zu erkennen. Sie zeigen den Kampf des Sonnengottes Ra in Gestalt einer großen Katze gegen die
Apophisschlange, den Gott der Finsternis. Ra tötet seinen Gegenspieler am Fuß des heiligen Perseabaumes von Heliopolis. Bereits 2500 v. Chr. war dieser Mythos vom Sieg des Lichtes
über die Finsternis fester Bestandteil der ägyptischen Religion. Ein weit in vorgeschichtliche Zeit hineinreichen der Sonnen- und Mondkult steht dahinter. Der Sonnengott Ra, der an der Spitze der ägyptischen Gottheiten stand, war eng verbunden mit der Mondgöttin Bastet, der als heiliges Tier die Katze zugeordnet war. Die heilige Katze im alten Ägypten tritt also in zwei verschiedenen Zusammenhängen auf, einmal verkörpert sie den Sonnengott selbst, zum anderen gehört sie zu Bastet und wird mit dem Mond identifiziert. Zwei verschiedene Aspekte, aber keine unvereinbaren Gegensätze, denn der Mond galt als das Auge des Sonnengottes bei Nacht, und die phosphoreszierenden Katzenaugen wurden als Spiegelung der Sonnenstrahlen angesehen. Aufgabe der Mondgöttin Bastet war es, als Mondkatze bei Nacht die Sonne zu bewachen und die Schlange der Finsternis, den Todfeind der Sonne, zu bekämpfen. Der ägyptische Name der Katze war »Mau«, ein Name, der zum einen lautmalerisch zu verstehen ist, zum anderen aber auch »Licht« bedeutet. Man verehrte die Katze aber nicht nur als göttliches Wesen, sondern auch als Hüterin des himmlischen Korns. Die wachsame weiße Katze beschützte das Korn vor den grauen Mäusen der Nacht. Der eng mit der Katze verbundene Sonnengott Ra wurde auch als Vegetationsgottheit
verehrt, als »die Saat«, denn ohne Sonne konnte das lebenswichtige Getreide nicht gedeihen. Selbst in Europa glaubte man lange an den Korngeist, der für die Getreideernte verantwortlich war. Oft stellte man sich diesen Korngeist in Gestalt einer Katze vor, der Kornkatze. Mit dem Einbringen der Ernte waren allerlei Riten verbunden, die von Land zu Land, oft auch nur von Ort zu Ort variierten. Das ging vom feierlichen Schmücken einer Dorfkatze mit Bändern, Blumen und Ähren bis zu blutigen Katzenopfern, wenn der letzte Halm geschnitten worden war. Die Katze starb stellvertretend für Ra in seinem Aspekt als Osiris. Ihr zerstückelter Körper wurde über die Felder verteilt, um Fruchtbarkeit zu garantieren.
 
Doch nun zur ältesten echten Katze. Erst um das Jahr 2000 v. Chr. tritt die afrikanische oder nubische Falbkatze (Felis silvestris lybica) auf den Plan, die in ganz Afrika und in Vorderasien verbreitet ist. In Vorderasien scheint sie zu diesem Zeitpunkt schon seit langem gezähmt gewesen zu sein, wie Statuetten aus dem anatolischen Haçilar zeigen, die aus dem 6. Jahrtausend v. Chr. stammen. Die Falbkatze, gleichfalls klein und zierlich, ist wildfarben oder aguti. Das Wort »aguti« stammt aus dem Hasenlatein und gibt eine rötliche, bis ins Grünliche und/oder Gelbliche spielende Fellfärbung an. Die Falbkatze weist noch weitere Farbvariationen auf, Sandfarben, graugelb, braungelb und rostrot. Sie erreicht mit Schwanz eine Länge von etwa 75 cm. Ihr Erscheinungsbild entspricht den späteren ägyptischen Darstellungen von Katzen, insbesondere den zahlreichen Weihgeschenken für Bastet in Ton und Bronze und den zahlreichen Mumienbehältern in Katzenform. Im Gegensatz zur Ginsterkatze gehört die Falbkatze mit Sicherheit zu den Vorfahren unserer Hauskatzen. Ein weiterer Ahnherr ist die zierliche, gefleckte Steppenkatze Asiens (Felis ornata). Als die ägyptische Hauskatze später von den Römern nach Europa gebracht wurde, hat sich die stämmige europäische Waldwildkatze (Felis silvestris) vielfach mit ihr gekreuzt und für Blutauffrischung gesorgt. Nirgends jedoch erfuhr die Katze eine solche Verehrung wie im alten Ägypten, obwohl es auch anderswo heilige Tempelkatzen gab, so z. B. die Siamkatzen in Bangkok und die Burmakatzen im Khmertempel von Lao-Tsun im Norden Burmas. Bei der Verehrung der Tempelkatzen in Siam und Burma spielte der Ahnenkult eine wichtige Rolle. Es herrschte die Vorstellung, daß die heiligen Katzen die Seelen der Toten aufnehmen. In Japan wurden noch bis vor kurzem weiße Katzen mit einem kurzen dicken Schwanz und einem schwungvollen schwarzen Fleck auf dem Rücken, der an eine Frau im Kimono erinnert, als heilig angesehen. Man glaubte, daß sie die Seele eines Vorfahren in ihrem Körper beherbergen. Es war streng verboten, eine solche Katze auszuführen. Im Jahre 1910 soll es zum erstenmal gelungen sein, eine heilige japanische Katze an Bord eines Schiffes zu schmuggeln. Sie kam zu einer englischen Familie in Putney und starb bereits 1911. Zum gleichen Typus gehören übrigens die Mi-Ke-Katzen, japanische Stummelschwanzkatzen, die in ihrer Heimat als Glücksbringer gelten. Das kleine Stummelschwänzchen, das wie eine Quaste wirkt, entstand auf natürlichem Wege durch Mutation. Mi-Ke-Katzen sind zwei- oder dreifarbig gescheckt, die Grundfarbe ist stets weiß.
 
 
In Ägypten aber war jede Katze heilig, nicht nur diejenigen, die in Bubastis, dem Zentrum des Katzenkults, lebten, wo der große Tempel der Bastet stand, und auch nicht nur diejenigen, die eine bestimmte Fellzeichnung aufwiesen. In Bubastis fand jedes Jahr im Frühlung ein großes Fest zu Ehren der Göttin statt. Aus ganz Ägypten strömten die Gläubigen herbei, viele führten die einbalsamierte Mumie einer inzwischen verstorbenen Hauskatze mit sich. Auf dem riesigen Katzenfriedhof, der dem Heiligtum angegliedert war, wurden die kleinen Toten feierlich bestattet. Im übrigen handelt es sich um ein fröhliches, oft sogar ausgelassenes Fest. Das Sistrum, eine Bronzerassel - dieses Musikinstrument war der Göttin Bastet geweiht -, wurde geschwungen. Man
sang und tanzte, und der Wein floß in Strömen. Der griechische Historiker Herodot (etwa 484-430 v. Chr.) berichtet, daß zu seiner Zeit bis zu 700 000 Menschen zum Fest der Bastet anreisten. Bastet war beim Volk sehr beliebt. Man schätzte sie als eine milde, freundliche Göttin, die es gut mit den Menschen meinte. Vor allem beschützte sie die Frauen, schenkte ihnen reichen Kindersegen und stand ihnen bei der Geburt bei. In fast jedem ägyptischen Haus lebte eine Katze. Ihr, die in einem
geschmückten Schrein schlief, und nicht den menschlichen Bewohnern brachten Gäste kleine Geschenke mit. Geriet ein Haus in Brand, so wurde zuerst die Katze gerettet, nicht etwa wertvoller Hausrat. Bei ihrem Tode rasierten alle Familienmitglieder sich zum Zeichen der Trauer die Augenbrauen ab. Die Tötung einer Katze zog die Todesstrafe nach sich, auch wenn sie versehentlich erfolgt war. Doch häufig wurde der Schuldige oder vermeintlich Schuldige von einer empörten Volksmenge auf offener Straße gelyncht. Deshalb blieb jeder Ägypter, der am Wege eine tote Katze
erblickte, sofort stocksteif stehen und beteuerte laut seine Unschuld. Dem sizilianischen Historiker Diodoros, der zwischen 60 und 57 v. Chr. Ägypten bereiste, verdanken wir folgenden Bericht: »Ein römischer Soldat, der in Alexandria stationiert war, überfuhr mit seinem Wagen eine Katze. Obwohl sein Status als römischer Bürger ihn schützte und obwohl der damalige ägyptische König Ptolemäus aus Angst vor der Rache Roms sich zu seinem Fürsprecher machte, wurde der Mann von einer aufgebrachten Volksmenge ergriffen und in Stücke gerissen.« 
 
Obwohl die Ausfuhr von Katzen aus Ägypten streng verboten war, gelang es phönizischen Seefahrern schon in vorchristlicher Zeit vereinzelt ägyptische Hauskatzen nach Europa zu bringen. In Griechenland wurde die Katze der jungfräulichen Göttin Artemis als Attribut beigegeben, der göttlichen Herrin der Tiere, die im gesamten Mittelmeerraum unter verschiedenen Namen anzutreffen ist. Artemis wurde als Mondgöttin mit Selene identifiziert. Die Beziehung der Katze zum Mond blieb also erhalten - übrigens auch in Rom, wo sie zu Diana, der römischen Artemis, ge-
hörte. Solange sie noch Seltenheitswert besaßen, wurden die Katzen in Griechenland nicht zum Mäusefang eingesetzt - das erledigte nach wie vor das Wiesel -, sondern als Statussymbol in vornehmen Häusern gehalten, was auch daran lag, daß die geschäftstüchtigen Phönizier sie zu horrenden Preisen verkauften. Erst als die große Zeit Ägyptens endgültig vorüber war, die berühmte
Kleopatra sich das Leben genommen hatte und das reiche Land eine römische Provinz geworden war (31 v. Chr.), nahmen die Soldaten ungehindert Katzen als Souvenir in ihre Heimat mit. Jetzt drängte die Katze in Griechenland und Rom rasch ihre Konkurrenten im Mäusefangaus dem
Feld - Frettchen, Iltis, Wiesel und Schlange. Römische Legionen führten Katzen als Maskottchen mit sich. Auf diesem Wege gelangten die nicht nur von der Sonne verwöhnten ägyptischen Hauskatzen schließlich auch in unsere rauhen Klimazonen. Hier wurde die europäische Waldwildkatze, mit der sie sich bald vermischten, als heiliges Tier der Göttin Freya verehrt, die Herrin über neun Welten
war. Der himmlische Wagen dieser germanischen Fruchtbarkeitsgöttin wurde von einem Gespann grauer Katzen gezogen. Im ersten vorchristlichen Jahrtausend galt die Katze offenbar überall in
Europa als wertvoller Besitz. Das geht aus Urteilen hervor, die für die Tötung einer Katze ausgesprochen wurden. Heinrich I. von Sachsen hat im 9. Jahrhundert n. Chr. festgelegt, daß der Schuldige eine Buße in Form von 60 Bündeln Korn zahlen mußte. Aus dem frühmittelalterlichen England kennen wir sogar die Preise, zu denen Katzen gehandelt wurden: Ein neugeborenes Kätzchen kostete ein Pence, eine Katze, die schon ihre erste Maus gefangen hatte, zwei Pence, und ein erprobter Mäusefänger vier Pence, was immerhin dem Wert eines Fohlens entsprach. Für die Tötung einer Katze wurde der Gegenwert von einem Lamm oder Schaf gefordert. Ein echter Katzenfreund scheint Howel der Gute (Hywel Dda), König von Wales, gewesen zu sein, der 936
folgendes Gesetz erließ: Eine getötete Katze mußte am Schwanz aufgehängt werden, so daß ihr Kopf gerade den Boden berührte. Dann mußte man zu Lasten des Missetäters so lange Weizen auf die Katze schütten, bis auch die Schwanzspitze bedeckt war. Ein anderer mächtiger Katzenfreund,
Papst Gregor der Große (im Amt 590—604), trug seine Katze immer im Ärmel seines Gewandes bei sich. Er soll auch die Katzenhaltung in Klöstern erlaubt haben. In vielen Nonnenklöstern durften sogar nur Katzen als Haustiere gehalten werden. Sie wurden oft so verwöhnt, daß das Wort Klosterkatze im Mittelalter zum Synonym für Schleckermäulchen wurde. In manchen Klöstern empfand man das ungehemmte Liebesspiel der Katzen als störend und ging dazu über, sich auf die Haltung von Katern zu beschränken, so z. B. in dem berühmten griechischen Kloster auf dem
Berg Athos. Gelehrte Mönche waren auch die ersten, die sich mit der Kastration von Katzen beschäftigten. Die Christen standen der Katze zunächst also durchaus nicht feindlich gegenüber, mit Hilfe der Legende schuf man ihr sogar einen bescheidenen Platz zu Füßen der Mutter Gottes. Bei der Geburt Christi soll sich im Stall von Bethlehem neben Ochs, Esel, Pferd und Schaf auch eine Katze mit ihren Jungen neben der Krippe befunden haben, mit denen das Jesuskind spielte. Diese Szene, das mit einer Katze spielende Kind, wurde vor allem in Italien von bekannten Malern dargestellt, der berühmteste unter ihnen ist Leonardo da Vinci (1452-1519). In Lough in Irland steht
heute noch ein über tausend Jahre altes keltisches Kreuz, auf dem zu Füßen Christi zwei Katzen dargestellt sind, eine putzt ihre Jungen, die andere fängt einen Vogel. Und zur Zeit der schrecklichen Hexenverfolgungen gelang es in Italien, wenigstens alle Tabby- und Tigerkatzen zu retten, denn, so hatte ein findiger Katzenfreund herausgefunden, sie tragen auf der Stirn ein M - und das bedeutet nichts anderes als Maria. Auch im islamischen Raum besaß die Katze einen mächtigen Verbündeten. Der Prophet Mohammed war ein erklärter Katzenfreund und erließ strenge Gesetze zu ihrem Schutz. Wer eine Katze tötete, mußte eine hohe Strafe in Form von Getreide entrichten. Selbst die Moschee durften Katzen ungehindert betreten, Nahrungsmittel und Wasser, von denen sie genommen hatte, galten nicht als unrein. Als eine Katze ihre Jungen auf dem Gewand des Propheten zur Welt brachte, ließ er sie gewähren und kümmerte sich freundlich um sie. Nach der Geburt war das Gewand so sauber wie zuvor. Seither gilt es im Islam als Zeichen großer Frömmigkeit, einer Katze beim Gebären zu helfen. Zahlreiche orientalische Dichter feierten die Katze; der berühmteste unter ihnen ist Rumi (1207-1273), der in Konya den türkischen Orden der tanzenden Derwische gründete, dessen Anhänger die Liebe des Meisters zu Katzen übernahmen. Seine Lieblingskatze, die sieben Tage nach ihm starb, weil sie jede Nahrung verweigert hatte, wurde neben seiner heiligen
Grabstätte beerdigt. Noch heute hat die Katze im Orient viele Freunde, wobei allerdings ein
deutliches Gefälle zwischen Arabern und den nicht seßhaften Beduinen besteht. Da Mohammed eine Katze im Haus hielt, gilt es als Verdienst, Katzen zu halten, zu streicheln und zu füttern. Es ist verboten, Katzen zu verzehren, wie es heute noch in China und Korea allgemein üblich und
selbst bei uns keinesfalls untersagt ist. Nach dem in Deutschland geltenden Fleischbeschaurecht ist das Schlachten von Katzen und Hunden zur Gewinnung von Fleisch, Fett und Haut ausdrücklich vorgesehen. Die schwarzen Zeiten für die Katzen brachen in Europa an, als im ausgehenden Mittelalter die Hexenverfolgungen einsetzten, deren Höhepunkt eindeutig in der Neuzeit lag, im 16.
und 17. Jahrhundert. Plötzlich galt die Katze als Teufelstier und wurde böser Zauberkräfte verdächtigt. Was war geschehen? Warum loderten jetzt plötzlich überall Johannis- und andere Feuer auf, in die man lebende Katzen warf? Die Umwandlung der Katze zum »Teufelstier« in der Vorstellung der Menschen erfolgte schrittweise und hat verschiedene Ursprünge. Neben den Göttern gab es im Aberglauben aller Völker stets auch böse Geister, Dämonen, die durch Opfer beschwichtigt werden mußten. Wenn irgendwo ein größeres Gebäude errichtet wurde, verlangten angeblich die Erdgeister nach einer beschwichtigenden Gabe. Deshalb mauerte man kleinere Tiere, mit Vorliebe Katzen, in eine Mauer ein, lebend, versteht sich. Bei Ausgrabungen stieß man auf zahllose solcher makabren Funde, so z. B. in räumlich und zeitlich so weit voneinander entfernten Bauten wie einem römischen Haus in Quseir (Koser) am Roten Meer aus dem l. und 2. Jahrhundert n. Chr. und in der Ostmauer der Westminsterabtei in London aus der Mitte des 13. Jahrhunderts n. Chr. Auch die Christianisierung fast ganz Europas hatte diesen tiefeingewurzelten abergläubischen Brauch nicht ausrotten können. Ist eine Kultur im Niedergang begriffen, so degeneriert auch die vorherrschende Religion. In den letzten vorchristlichen Jahrhunderten verfiel der Glaube an die Götter im alten Ägypten. Der Aberglaube, die Zauberei blühte. Schwarze Magie fußt auf der Idee, man könne die Götter zwingen, die Wünsche der Menschen zu erfüllen, wenn man ihnen Geschöpfe,
die sie lieben, opfert. Wer konnte besser dafür prädestiniert sein als die Katze, dieses Lieblingstier der höchsten ägyptischen Gottheiten? Auf die Idee, man könne sich auf diese Weise eher den Haß der Götter zuziehen, kam anscheinend niemand. Aber die Katze wurde auch den Göttern der Unterwelt zum Opfer gebracht, besonders die schwarze Katze wie auch andere schwarze Tiere, weil man hoffte, dadurch die Gabe des zweiten Gesichtes zu erhalten, das die Katze, wie man annahm, besaß. Im Rom der Kaiserzeit, in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten, war so ziemlich jede damals bekannte Religion vertreten. Ägyptische und andere Magier strömten in die Hauptstadt und schwärmten aus ins gesamte römische Reich. Sie verdienten ihren Lebensunterhalt mit Weissagungen, konnten angeblich Einfluß auf das Wetter ausüben, Tiere und Menschen je nach Wunsch des Auftraggebers gesund oder krank machen. Selbstverständlich sammelten sie auch Anhänger um sich, die in die Praktiken der Schwarzen Magie eingeführt wurden. Die Hexen galten vielfach als eine Art Nachfolgerinnen orientalischer Zauberer, und da sie, wie man glaubte, dem ebenfalls im ganzen römischen Reich verbreiteten Dianakult treu geblieben waren, kam die Katze
als luneares Tier wieder ins Spiel. Die römische Göttin Diana war eine Furchtbarkeitsgöttin, die besonders von Frauen verehrt wurde, denen sie bei der Geburt beistand. Und da es sich um einen Mondkult handelte, fanden die Feiern und Versammlungen der Hexen folgerichtig in der Nacht statt, wozu wieder die Katze paßte. Vermeintlich konnten Hexen sich in Katzen verwandeln und umgekehrt. Ob man also eine der Schwarzen Künste verdächtigte Frau oder eine Katze verbrannte, ertränkte oder zu Tode quälte, blieb sich nach dieser Logik im Grunde gleich. In den Schmerzensschreien der Katzen glaubte man die Stimme von Hexen zu hören, die die Gestalt einer Katze angenommen hatten.
 
 
Schwarze Katzen wurden - außer in Großbritannien - als Unterweltstiere mit dem Teufel assoziiert. Bei Teufelsmessen wurden (und werden) daher seit altersher schwarze Katzen geopfert, und zwar zu dem ausdrücklichen Zweck, den Herrn der Hölle zu zwingen, seinen Anhängern Reichtum, Macht oder was auch immer zu verschaffen. Bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts n. Chr. wurden in Schottland grauenvolle Katzenopfer, Taigheirm genannt, praktiziert. Vier Tage und Nächte lang wurde dabei eine Katze nach der anderen auf einen Spieß gesteckt und über einem kleinen Feuer gebraten. Sowie eine Katze verstummte, weil der Tod sie von ihren Qualen erlöst hatte, mußte sofort die nächste auf den Spieß gesteckt werden, denn es durfte keine Pause eintreten in den jammervollen Schmerzensschreien. Das ehrgeizige Ziel dieses Wahnsinns war nichts Geringeres als die Beherrschung der Hölle, die Vertreibung des Teufels von seinem Thron. Aber am Ende der schaurigen Zeremonie war der amtierende Folterknecht, ganz in Schwarz, wie es sich gehört, der während der vier Tage und Nächte keinen Bissen zu sich nehmen durfte, so geschwächt, daß er es gerade noch fertig brachte, der furchterregenden Riesenkatze, die ihm erschien, einen ganz persönlichen Wunsch zuzurufen wie Reichtum oder Nachkommen. Und das soll er dann auch prompt bekommen haben, allerdings nicht umsonst: Nach seinem Tode soll er in die Hölle gewandert sein, wo all die gemarterten Katzen schon auf ihn warteten.
 
 
Im 19. Jahrhundert endlich erlebte die Katze nach so viel Leiden eine Renaissance. Berühmte Staatsmänner, Dichter, Wissenschaftler und Maler entdeckten ihre Liebe zur Katze. Der französische Offizier, Staatsmann und Dichter Chateaubriand (1768-1848) erbte Micetto, die graurote Katze des Katzenfreundes Papst Leo XII., und wurde zum glühenden Anwalt der Katzen: »Ich arbeite an ihrer Rehabilitierung und hoffe, aus ihr ein geachtetes Tier zu machen.« In Deutschland trug als einer der ersten E. T. A. Hoffmann mit seinen »Lebensansichten des Katers Murr« (1776-1822) wesentlich zum besseren Image der Katze bei. Einen der berühmtesten Kater der Weltliteratur schuf sein Zeitgenosse Viktor von Scheffel (1826-1886) mit der Gestalt des Hiddigeigei, dessen schwarzes Samtfell gerühmt wurde. Der deutsche Zoologe Alfred E. Brehm
(1829-1884) bemühte sich Zeit seines Lebens um den Abbau der Vorurteile gegen Katzen. Er bezeichnete sie als das höchstentwickelte Raubtier überhaupt. In Frankreich setzten Charles Baudelaire (1821-1871) und Stephan Mallarme (1842-1898) der Katze Denkmäler in Versen. Das Pariser Künstlerlokal »Chat Noir« (Schwarze Katze) wurde zum Treffpunkt von Malern und Schriftstellern. Den gleichen Namen erhielten ein literarisches Kabarett und eine Kunstzeitung. Interessant ist, daß man sich jetzt ausdrücklich zu der schwarzen Katze bekannte, die Jahrhunderte
lang so schmählich verfolgt worden war. Der italienische Dichter Giovanni Raiberti (1805-1861) verglich die Schönheit der Katze mit der Schönheit einer Frau, wobei die Katze den Preis davontrug, denn sie braucht keinen Spiegel, keinen Friseur, keine Hüte und keine Schminke. In England zeichneten sich der Dichter William Blake (1757-1827) und Charles Dickens (1812-1870) durch ihre Zuneigung zu Katzen aus. »The Master's Cat«, die Katze von Dickens, löschte nachts mit der Pfote die Kerze aus, wenn der Meister zu lange am Schreibtisch saß. Mein Kater Angel, ein Halbsiam, macht das übrigens auch. Elf Katzen besaß der amerikanische Schriftsteller Mark Twain
(1835-1910), von dem der Satz stammt: »Wenn der Mensch mit der Katze gekreuzt werden könnte, würde der Mensch verbessert, die Katze aber verschlechtert.« Bald hatten auch viele Länder ihren »Katzen-Raffael«, einen Maler, der sich speziell auf Katzenbilder verlegt hatte. Der beste unter ihnen war der Schweizer Gottfried Mind (1768-1814). In Frankreich trat Eugene Lambert (1825-1900) auf den Plan, in Deutschland Julius Adam (1852-1913) und in Österreich Josef Laur (1818-1881). Diese Maler liebenswerter Genrebildchen wurden weit überragt von dem in der Schweiz geborenen Theophile A. Steinlen (1859-1923), der in Paris lebte und zahlreiche hinreißende Lithographien von Katzen schuf. Seine Modelle suchte er sich auf den Straßen von Paris. Bei soviel Katzenbegeisterung wollte auch die Musik nicht zurückstehen. Franz Liszt (1811-1886) komponierte eine Katzenfuge, sein Kollege Frederic Chopin (1810-1849) einen Katzenwalzer. Giacomo Rossini (1792-1868) erwies den Katzen seine Reverenz mit dem berühmten Katzenduett, und Peter Tschaikowsky (1840-1893) ließ in einem Ballett »Schlafende Schönheit« zwei als Katzen verkleidete Tänzer auftreten. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts
wurden die ersten Perserkatzen aus Kleinasien nach Europa eingeführt, denen bald die Siamkatze aus Thailand folgte.
 
 
Fast gleichzeitig wurde aus Rußland die Russisch Blau importiert. In England züchtete man bereits am Ende des 19. Jahrhunderts die Abessinierkatze, die auf die nubische Falbkatze zurückgehen soll. 1871 wurde im Londoner Kristallpalast die erste große offizielle Katzenausstellung veranstaltet, bei der ausschließlich Britisch Kurzhaar und Perserkatzen gezeigt wurden. Etwa zur gleichen Zeit führte man in Amerika die erste Ausstellung durch, und zwar nur für Maine-Coon-Katzen. In unserem Jahrhundert hat sich die Katze eine beachtliches Umfeld geschaffen. Allein mit Katzenbüchern ließe sich eine mittlere Bibliothek füllen. Ganze Industrien leben davon, Katzenfutter und Leckereien in immer neuen Geschmacksrichtungen herzustellen, phantasievolle Katzenkratzbäume zu bauen, bequeme Katzenhöhlen, -bauschen und -sofas zu basteln. Die Katze schläft natürlich lieber im Bett oder in einem alten Karton oder auf der Fensterbank, und ihre Krallen wetzt sie mit Vorliebe am Teppich oder an einem Sessel. Auch mit Katzenspielzeug lassen sich anscheinend gute Geschäfte machten. Das meiste davon ist für eine normale Katze vollkommen uninteressant, aber es kann natürlich vorkommen - Katzen sind unberechenbar -, daß sie ihr Herz an eine Spielmaus oder ein Bällchen hängen, vorübergehend jedenfalls. Außerdem sind Katzen zum Lieblingssujet der Geschenkindustrie avanciert. Auf den unwahrscheinlichsten Dingen findet man heute Katzenmotive, auf Vasen, Geschirr und Bücherstützen, T-Shirts, Briefpapier, Dosen, Küchenhandtüchern, Türmatten, Tabletts, Krügen, Pullovern, Bettwäsche, Teekesseln, Klobürsten und Taschen. »Katziger geht's nicht mehr.« Die Katzen-Raffaels des vorigen Jahrhunderts haben Legionen von Nachfolgern gefunden, in Comics, Katzenkalendern und -karten. Die Fotografie hat sich der Katze bemächtigt, wobei oft atemberaubend schöne Aufnahmen entstanden sind. Katzenstars treten in Filmen und im Fernsehen auf. Nur gute Katzenfilme gibt es kaum. Ich erinnere mich als einzige Ausnahme an einen ausgezeichneten deutschen Spielfilm über Wildkatzen.
 
 
Als Statussymbol ist die Katze jedoch aus der Mode gekommen. Teuere Zuchtkatzen werden vor allem deshalb gekauft, weil dem Interessenten entweder ein bestimmter Katzentypus besonders gut gefällt oder weil der Züchter dem Tier bestimmte Charaktereigenschaften zuschreibt, auf die der Kunde Wert legt. Darauf sollte man allerdings nicht viel geben, denn Katzen werden auf Schönheit gezüchtet und sonst nichts. Sie sollen einem bestimmten, bis ins einzelne festgelegten Standard entsprechen und bei Ausstellungen Preise erringen. Kein Preisrichter beurteilt den Charakter der Katze - nur kratzen und beißen darf sie ihn nicht. Die meisten Katzenfreunde halten ihre Tiere heute auch nicht mehr zum Mäusefang, sondern sind im Gegenteil hell entsetzt, wenn ihr Peterle oder die
Tina tatsächlich mal eine Maus anschleppen. Auch die uralte geheimnisvolle Beziehung der Katze zum Mondkult spielt keine Rolle mehr bei der Entscheidung, eine Katze ins Haus zu nehmen.
 
 
Warum also suchen wir die Gesellschaft von Katzen? Sollten wir tatsäch lich auf dem Wege sein, diese anmutigen, intelligenten Tiere um ihrer selbst willen zu lieben? Einfach so, wie man Rosenduft liebt, Sonnenschein, eine bestimmte Farbe, Musik? Ich wage noch nicht so ganz daran zu glauben, aber es spricht eigentlich kaum etwas dagegen. Damit wäre die beste Voraussetzung geschaffen für
eine glückliche, dauerhafte Partnerschaft zwischen Mensch und Katze, bei der beide nur gewinnen können, der Mensch vielleicht am meisten, denn laut George Bernard Shaw (1856-1950), »ist der Mensch erst dann als zivilisiert zu betrachten, wenn er die Katze versteht«.
 



Doch auch im alten China wurde die Katze verehrt. Es hieß, sie hätte eine Seele. Kein Wunder also, daß sich im Buddhismus viele Legenden um die Katze ranken. Auch Mohammed (um 570 - 632 n. Chr.) konnte sich nicht dem Einfluß der Katze entziehen. Einer alten Geschichte zufolge soll er seine Lieblingskatze Muessa stets im weiten Ärmel seines Gewandes bei sich getragen haben. Als er einmal zum Gebet gerufen wurde und Muessas Schlaf nicht stören wollte, schnitt er kurzerhand den Ärmel ab. Er ging dann einfach ärmellos zum Gebet. Doch auch aus der christlichen Geschichte wurde eine ähnliche Geschichte überliefert. Ein Wandermönch hörte im Jahr 600 n.Chr. das Postulat von Papst Gregor in Rom. Dieser verkündete: „Opfert Euer Liebstes!" Der arme Mönch holte ein Kätzchen aus seinem Ärmel hervor. Der Papst jedoch winkte lächelnd ab und holte aus seinem Ärmel ebenfalls eine Katze  
 
  (c) Petra Nowaczek online seit 09.11.07  
 
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